Autofrei leben – geht das auch als Familie auf dem Land?

 

Julia Oberdörster hat zwei Kinder, aber kein Auto. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Dorf im Bergischen Land. Wir haben mit ihr über ihren Alltag gesprochen und was sich verändern muss, damit mehr Menschen auf dem Land ohne Auto mobil sein können.

 

Julia Oberdörster und ihre Familie leben auf dem Land und sind ohne Auto mobil.
Julia Oberdörster und ihre Familie leben auf dem Land und sind ohne Auto mobil. © privat

Ihr seid eine Familie mit zwei Kindern, wohnt in einem Dorf und besitzt kein Auto. Wie organisiert ihr eure Mobilität?

Wir sind keine Hardcore-Radfahrfamilie, sondern versuchen, möglichst einfach und bequem unser Leben zu gestalten und von A nach B zu kommen. Wir wohnen in einem Dorf mit etwa 1.000 Einwohner:innen ohne Supermarkt und Bäcker, aber mit gutem Zugang zu Mobilität. Wir sind in der glücklichen Situation, dass bei uns mindestens einmal in der Stunde, oft häufiger, ein Bus in jeden größeren Ort in der Umgebung fährt. Daher setzen wir im Alltag auf eine Kombination aus ÖPNV und Fahrrad.

Für Kurzstrecken und in nicht gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossene Orte, nehmen wir in der Regel das Rad. Wenn wir weiter weg fahren, Bus und Bahn. Mein Mann und ich haben eine Dauerkarte für den ÖPNV, das ist wichtig für uns. Wir besitzen außerdem zwei motorisierte Lastenräder, in denen unsere Kinder wettergeschützt sitzen. Für ein Lastenrad haben wir einen Anhänger und einen großen hochwertigen Einkaufstrolley, wenn wir zu Fuß unterwegs sind, in die Gepäck oder Einkäufe passen. Für Besorgungen fahren wir in die Nachbarorte. Alles Lebenswichtige ist nur fünf Kilometer entfernt. Da ist man mit dem Fahrrad schneller als mit dem Auto.

Wie gut klappt euer Leben ohne Auto im Herbst und Winter?

Mein Mann fährt bei schlechtem Wetter kein Rad, ich schon – allerdings in der Regel nur, wenn es hell ist. Mein Arbeitsweg führt auf Radwegen an Landstraßen entlang. An vielen dieser Radwege fehlen die Markierungen, die einem im Dunkeln helfen, den Weg zu finden. Wenn es dunkel ist, lasse ich schon mal mein Rad bei der Arbeit stehen und nehme den Bus nach Hause. Wenn ich an einem anderen Tag früher Feierabend mache, fahre ich mit dem Rad im Hellen zurück.

Wart ihr schon vor euren Kindern ohne Auto mobil oder hattet ihr ein Auto, was ihr dann abgeschafft habt?

Ich hatte als junge Erwachsene ein Auto. Im Studium habe ich es nicht mehr gebraucht und abgeschafft. Seitdem habe ich keins mehr besessen. Als ich meinen Mann kennenlernte und wir uns dazu entschieden, zusammen eine Familie zu gründen, haben wir uns bewusst entschieden, auf ein Auto zu verzichten – und es funktioniert.

Gibt es Situationen, in denen ihr ein Auto vermisst?

Ich habe mich daran gewöhnt, ohne Auto zu leben. Neben den hohen Fixkosten für ein eigenes Auto, gibt es zu viele Dinge, die mich nerven wie Reifenwechsel, Parkplatzsuche oder Einparken. Falls wir doch mal ein Auto brauchen, um Anschaffungen wie ein Bett zu transportieren oder den Sperrmüll wegzufahren, können wir uns eins leihen. Und an Wochenenden mit schlechtem Wetter nutzen wir mit den Kindern auch ein Anrufsammeltaxi. Sie haben bestimmte Haltestellen und einen Fahrplan. Da ruft man eine halbe Stunde vorher an und kann von der Haltestelle aus günstig zu jedem Ort der Stadt kommen.

Viele Menschen sagen: Auf dem Land geht’s nicht ohne Auto. Was sagt ihr denen?

Das lässt sich nicht pauschalisieren. Es geht ja nicht überall gleich gut ohne Auto. Oft sind sich Menschen aber gar nicht bewusst, welche Alternativen zum Auto es auch auf dem Land gibt. Ich höre immer noch ganz oft aus meiner Nachbarschaft, dass bei uns im Dorf der Bus nur einmal am Tag fährt. Aber das stimmt nicht, er fährt zweimal pro Stunde in jede Richtung. Das Auto vor der Tür ist immer verfügbar – und das prägt das Nutzungsverhalten und man verliert den Bezug zu möglichen Alternativen. Zum Beispiel auch dazu, wie schnell man mit dem Rad oder zu Fuß auf Kurzstrecken ist. Aber man muss sich die Mühe machen, den ÖPNV-Fahrplan anzusehen und zu verstehen, man kann auch selbst Alternativen anstoßen, in dem man sich mit anderen zusammenschließt und zum Beispiel CarSharing und BikeSharing in kleinere Ort bringt.

Ihr seid schon als Familie auf dem Land ohne Auto mobil: Was muss sich verändern, damit andere es euch nachmachen?

Mobilität muss als Ganzes betrachtet und nicht in einzelnen Verkehrsmitteln gedacht werden. Jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und Nachteile. Nur wenn es einen gleich guten Zugang zu allen Verkehrsmitteln gibt, nutzt man, was für einen gerade den größten Vorteil hat. Vor allem im ländlichen Raum ist es wichtig, dass die Verkehrsplanung über Stadtgrenzen hinausdenkt und berücksichtigt, wo die Menschen herkommen und wo sie hinwollen. Busse dürfen nicht an Kommunengrenzen enden. Eine einfache Ticketgestaltung spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Problem wird mit dem geplanten bundesweiten 49-Euro-Ticket nun zumindest teilweise angegangen.

Was es noch braucht, ist ganz viel Kommunikation und Erklärung, zum Beispiel Mobilitätsmanager:innen oder Verantwortliche aus den Kommunen oder von den Verkehrsunternehmen, die Menschen zu verschiedenen Mobilitätsangeboten beraten. Auch Aktionen, bei denen man verschiedene Angebote für einen bestimmten Zeitraum ausprobieren und kennenlernen kann, helfen. Wenn es in jedem Ort beispielsweise ein CarSharing-Auto oder LastenradSharing gäbe, könnten viele zumindest den Zweitwagen abschaffen.

 


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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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